Montag, 11. August 2008

Frauen und Gedöns

Mir drängt sich der Eindruck auf, die Power-Frauen haben so langsam keine Power mehr: Batterie leer. Na egal: ich bin soweit durch. Und die auch die Ladies mit Führungsverantwortung haben ihr Rentenkonto bereits prall gefüllt. Kurz gesagt: die ganze Sache ist gelutscht.
Und wie geht das alles jetzt weiter? Stehen wir jetzt am Beginn der großen Rolle rückwärts? Jetzt, da sich Frauenrechtlerinnen wie Konservative gleichermaßen über die Ergebnisse der eingangs zitierten Studie freuen. Jetzt, da die WAZ-Korrespondentin, die Cambridge-Professorin und die Emanzipations-Gesellschaft im Gleichschritt fordern: „Frauen, zurück an den Herd!“
Man will ja auch mal etwas Leckeres auf dem Tisch haben. Ich also – unverbesserlich: wieder, besser: immer noch auf der Seite der Kampf-Amazonen. Und Sex im oder mit dem Alter– na ich bitte Sie! Dann lieber mal eine Frischzellenkur.
Ständig Essen gehen kann sich ja bei diesen Preisen kein Mensch mehr leisten!
Allerdings befürchte ich, dass mir mal wieder die Kapitalisten einen Strich durch die Rechnung machen. Na sicher, auf jedem Gymnasium findet sich durchaus eine Handvoll Jungs, mit denen sich ein bisschen was Gescheites machen lässt. Aber im modernen Wirtschaftsleben – Globalisierung usw. – werden Millionen und Abermillionen Leute mit Grips im Schädel gebraucht.

Vollständiger Text hier
Werner Jurga

Freitag, 8. August 2008

Keine Fremdherrschaft in Schlesien, in Tibet, auf den Falklands - am besten: nirgendwo!

Trotz allen Olympia Tamtams auf allen Kanälen fanden die ARD-Tagesthemen gestern Abend die Zeit, über die Dreharbeiten zu berichten. Karen Mioska interviewte Herrn Reich, der ganz anders wirkte als sonst, und – scheinbar distanziert – von seinen Jahren im Ghetto berichtete, von seiner Gewissheit, dass weder seine Frau noch er dies überleben würden. Mit dem Hinweis, dass diese Sorge ja nicht aus der Luft gegriffen gewesen sei; denn sowohl seine als auch die Familie seiner Frau seien ja aus dem Warschauer Ghetto direkt nach Ausschwitz deportiert und dort allesamt vergast worden.
Nichts von diesem exzentrischen, scharfzüngigen, teilweise erbarmungslosen Literaturkritiker - Reich-Ranicki sprach ganz ruhig, fast schon leise, wie gesagt: scheinbar teilnahmslos. Drei Minuten zuvor waren sehr laute Menschen in den Tagesthemen. Freiheitskämpfer, englische. Volles persönliches Risiko. Eine Lady und ein Gentleman. Skandieren unter Einsatz von Leib und Leben mitten in Peking: „Free Tibet!“ Was hätte da nicht alles passieren können?! In diesem Land, in dem Fahrraddiebe zu Organspendern umerzogen werden. Um Haaresbreite Tod und Folter entkommen landeten die beiden couragierten Briten in London-Heathrow, wo sie - gefeiert from the euphoric crowd – wieder (oder immer noch) „Free Tibet“ brüllten. Das letzte Mal, das ich Engländer derartig ausflippen gesehen habe, ist schon eine Weile her. „Free the Falklands!“ hieß es damals. Junge Muttis mit dem kleinen Kind auf dem Arm, im Hafen kein Tränchen im Auge, riefen ebenso fröhlich wie kämpferisch: “ „Free the Falklands!“
Ich habe keine Ahnung, ob die Thatcher oder der Blair irgendwie an die Witwenrenten drangegangen sind.

„Free Tibet“ – zum Beispiel der Dalai Lama und ich, wir sind da ja nicht so dafür. Niemand kann sagen, wie viel Zigtausend Menschen einem solchen Gemetzel zum Opfer fallen würden. Aber das kann man ganz sicher sagen: verglichen damit wäre damals der Falkland-Krieg mit den paar Hundert toten Soldaten, ohne zivile Opfer eine echt sportliche Veranstaltung. So eine Art Olympia.

Werner Jurga
http://www.jurga.de/html/endlich_olympia_.html

Donnerstag, 7. August 2008

Die CSU - toll, toll, toll !

Bald ist Landtagswahl, und die Umfragen prognostizieren die CSU unter 50 Prozent.
Eine Katastrophe! Halten sie doch zur Zeit noch eine Zweidrittelmehrheit, die Christsozialen. Ja, die heißen so. Das hören Sie auch sofort raus, wenn Beckstein den Untergang nicht einfach klaglos hinnehmen will, das Christliche und das Soziale.

Was meinen Sie wohl, was es für eine Unterstützung gibt, wenn ich im Bierzelt die Pendlerpauschale anspreche?

Ja normal, ist sozial, genau wie bei uns ...

Da ist der Beifall genauso laut wie für die Forderung, kriminelle Ausländer abzuschieben.


Eigentlich auch normal, bestimmt irgendwie auch christlich, wahrscheinlich auch so ähnlich wie bei uns. In NRW und so, meine ich.
Und dass es in der Partei mal nicht so richtig rund läuft, ja: voll normal, genau wie bei uns, in der SPD, meine ich. – Kann man aber auch ruhig einmal offen drüber sprechen:

Ich gebe zu, dass es bei uns am Anfang einige turbulente Wochen gab,
ein bisschen was gibt es doch überall ... Und dass die bösen Medien dann darauf rumhacken – logisch!

selbst wenn das immer übertrieben dargestellt worden ist.
Hauptsache man lässt sich nicht Kirre machen und erkennt dann wieder, wer Freund und wer Feind ist.

Aber jetzt sind wir zu einer großen Übereinstimmung gekommen, die wirklich vorbildlich ist. Alle ziehen an einem Strang.
Ja Genossen, von der CSU lernen, heißt Siegen lernen!

Ich kenne niemanden mehr in der Partei, der noch nörgelt.
Echte Demokratie. Keine Quertreiber mehr und so. Querdenker ? –Hihihi, Sie scherzen ...
Aber jetzt kommt´s. Mario Barth würde einleiten mit: Pass auf! Wirklich wahr! Echt passiert!
Hat er wirklich gesagt, der Beckstein Günther:

Alle sagen: Toll

Werner Jurga, 07.08.2008
http://www.jurga.de/html/csu__toll__toll__toll.html

Mittwoch, 6. August 2008

ARGE Verfassung

Gewiss: eine Verfassung ist nicht mehr als eine Verfassung, und auch am deutschen Grundgesetz muss alle Jahre mal etwas geändert werden.

Wir leben ja nicht mehr Mitte des 20. Jahrhunderts. Nächstes Jahr feiern wir 60 Jahre Grundgesetz, 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland. Und, überlegen Sie mal, was sich in diesen Jahren alles getan hat. Allein die Technik, die Arbeitswelt, die Lebenswirklichkeit (super Soziologen-Wort), und alles. Sogar ich denke nicht mehr in allen Punkten ganz genau so wie meine Uroma.
Klar: die Menschenwürde und die Rechtsstaatlichkeit, die Freiheit und die Gleichheit (vor dem Gesetz, und daraus abgeleitet auch die Demokratie) – dies alles darf man natürlich nicht abschaffen. Zack, schon wäre man Verfassungsfeind.

Aber hier mal etwas einschränken („es sei denn“), da mal etwas gegen die Wand fahren (wenn etwas nur im Falle völlig ausgeschlossener Bedingungen geht), das kann man natürlich schon machen. Wenn man im Bundestag und im Bundesrat eine Zweidrittelmehrheit hat, auf Deutsch: wenn CDU / CSU und die SPD es gemeinsam so wollen. Und dann kommt in aller Regel das Bundesverfassungsgericht und sagt so etwas wie: „Nicht ganz so doll, meine Herrschaften, ein bisschen sachter bitte!“ Manchmal sagt es aber auch: „Kein Thema, nicht wirklich, geht gar nicht!“ Wie zum Beispiel bei dieser merkwürdigen Konstruktion, die ARGE genannt wird.
Wie gesagt: manchmal muss man die Verfassung ändern (aber hätte es mehr als 100mal sein müssen?). Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe halte ich keineswegs für „Armut per Gesetz“, sondern für einen wichtigen sozialen Fortschritt. Aber die Umsetzung, Herr Clement! Hätte es wirklich Hartz IV (allein schon der Name!) sein müssen?! Clement damals: „Niemand wird gezwungen, seine Wohnung zu verlassen!“ Ulbricht im Sommer 1961: „Niemand beabsichtigt, in unserer Hauptstadt ...“
Hätte es wirklich diese ARGE-Konstruktion sein müssen?! Fairerweise muss man zugeben, die Sache war kompliziert, die Interessengruppen hart, und Clement war und ist halt nur Clement – und nicht etwa Super ...
Jedenfalls sagte das Bundesverfassungsgericht in Sachen ARGE ganz eindeutig: „Kein Thema, nicht wirklich, geht gar nicht!“ Verfassungswidrig. Passt nicht ins Grundgesetz. – Und was sagen unsere Ober-Schlaumeier in Berlin? – „Was nicht passt, wird passend gemacht.“

Leute, Leute, Leute, ... ich sag´ nix. Nur soviel. Gut, dass die Duisburger SPD schon einmal klipp und klar hat wissen lassen: Nicht mit uns!

Werner Jurga
www.jurga.de
http://www.jurga.de/html/barbel_bas.html

Montag, 4. August 2008

Dressler Kann Mettler Weis

Er ist aus der SPD ausgeschlossen; aber die Berufung steht ihm noch offen. Und er wird kämpfen; schließlich geht es ja nicht nur um ihn. Es geht um den Kurs der Partei.
Es geht um den Charakter der SPD als Volkspartei. Es sagt ja niemand, Wolfgang Clement sei nun der einzige Mann des Volkes. Ohne Clement kein Volk. Und ohne Volk kein Clement.
Die SPD braucht Flügel, schon allein, damit sie fliegen kann. Clement, the red bull, hat Flügel; aber soweit waren wir ja schon. Jetzt legt er Berufung ein. Im Namen der Meinungsvielfalt, im Namen des Pluralismus und eigentlich, sagen wir es ruhig: im Namen der Freiheit. Einigkeit und Recht und Freiheit. Das ist das, was die SPD jetzt dringend braucht. Anders formuliert: die SPD braucht Wolfgang Clement.
„Einigkeit und Recht und Freiheit“ – Clement, ein Mann in der Tradition der bürgerlichen Revolutionäre. Deshalb hat er als unser Ministerpräsident auch schnell mal das Innen- und das Justizministerium zusammen gelegt. Einigkeit macht stark. Und nur starkes Recht sichert die Freiheit. Jedenfalls dann, wenn man sich zur Zeit in ihr befindet. Und das tun ja die Allermeisten. Ich sag´ ja: Clement – ein Mann des Volkes.
Berufen zur Berufung
Logisch, so ist das in einem Rechtsstaat: auch Abgeurteilte haben Rechtsansprüche, z.B. das Recht auf einen Anwalt. Da hat er sich den Otto Schily genommen. Der hat auch schon die Gudrun Ensslin verteidigt. Überhaupt: beim Thema Rechtsstaat, da kennt der Schily kein Pardon. Da ist der eisenhart. Das hat er bewiesen, sieben Jahre lang als Bundesinnenminister.
Gott sei Dank ist Otto Schily nicht der einzige Bürgerrechtler in der SPD. Selbstverständlich gibt es überall, auch in der Duisburger SPD, Freunde und Bewunderer des Freiheitskämpfers Clement. Auch sie haben sich ein Herz gefasst und in den letzten Tagen in der Lokalpresse klar Position bezogen. Denn Solidarität ist ein Grundwert der SPD.
Ich beschränke mich auf vier prominente Duisburger, auf die ich kurz eingehe – in alphabetischer Reihenfolge, erstens weil mir auch der Grundwert Gerechtigkeit sehr wichtig ist, und zweitens weil ich Ihnen zuliebe auch dem billigsten Gag hinterher renne.
Dressler Kann Mettler Weis
Jürgen Dressler fordert in einem Offenen Brief die Duisburger SPD auf, Clements Parteimitgliedschaft „sicher zu stellen“. So formuliert geht dies zwar erstens an der SPD-Satzung vorbei und liefert einen semantischen Einblick in die Tiefenpsychologie des Duisburger Planungsdezernenten. Aber egal: Hauptsache man weiß, was er meint. Und Dressler weiß, worüber er redet; gegen ihn läuft nämlich ebenfalls ein Parteiausschlussverfahren. Typisch SPD: alle Freiheitskämpfer sollen rausfliegen. Gerade in den letzten Wochen hat Dressler in Sachen Freiheitsliebe an allen Ecken und Kanten Mut bewiesen. Ob Küppersmühle oder Rheinhausen, immer ein freies Wort: alle Anderen haben nichts zu sagen; wo kommen wir da hin, wenn gewählte, aber doch wenig intelligente Politiker der Verwaltung, also ihm, ins Handwerk pfuschen; entweder so oder von der Brücke springen ...
Ein Typ fast wie Clement; logisch: ist nichts für das Gemüt roter Funktionärstypen.
Charlotte Kann wird Donnerstag früh frisch informiert über die Horrormeldung. Sie ist völlig überrascht: „Ein kleiner Ortsverein darf so eine Entscheidung treffen?“ – Okay, das darf er natürlich nicht, hat er auch nicht, es war schon die Landesschiedskommission. „Klein“ finde ich schön; weiß die Genossin Kann eigentlich, wie viele Mitglieder der Ortsverein Bochum-Hamme hat? Oder definiert die ehemalige Landtagsabgeordnete das Adjektiv „klein“ etwa ganz anders?
Vielleicht etwa so, wie der Ministerpräsident zu ihrer Zeit, der Wolfgang Clement ...
der war nämlich, wie er im Fernsehen immer sagt, als solcher Kollege von Kurt Beck – „und nicht der kleinere“. Charlotte Kann glaubt, dass die Bundesschiedskommission den Beschluss revidieren wird. Man ist eben nicht klein; man hat – jedenfalls innere – Größe.
Herbert Mettler, SPD-Fraktionschef im Stadtrat, hätte dem Ausschluss nicht zugestimmt. „In einer demokratischen Partei gehört Meinungsvielfalt dazu“, sagt er. Das ist wohl wahr. Und gewiss lassen sich in einem kurzen Pressestatement nicht die Grenzen der Meinungsvielfalt diskutieren. Ich begnüge mich mit einem Zitat von Willy Brandt: „In Deutschland darf man jede Meinung vertreten; in der SPD nicht.“
Juso-Chef Klaus Uwe Benneter (Stamokap) flog raus; Nachfolger wurde ein Gerhard Schröder (Antirevisionist – links von Stamokap). Benneter wurde einige Zeit später wieder in die Partei aufgenommen, schaffte es aber bislang nur bis zu deren Generalsekretär.
Denn: „Keine Partei kann es sich leisten, kluge Köpfe zu verlieren“, sagt Mettler. Da hätte ich dann doch gerne einmal gewusst, ob ich auch einer bin. Und, wenn ja, ob das in Ordnung ginge, wenn ich im Frühjahr 2009 – sagen wir: so eine Woche vor der Kommunalwahl – die Wahl der SPD, nein: nicht davon abrate, nur sagen wir mal, wie hat der Clement das noch mal genau gesagt?
Petra Weis, für uns im Bundestag, war auch überrascht. Ja „auch“, wie Charlotte Kann. Frauen halt. Sind nicht so versiert in Klöppereien, dafür aber für den Frieden. Petra Weis findet es „grundsätzlich besser, politisch-inhaltliche Differenzen argumentativ auszufechten statt juristisch“. Sagt sie. Oder gar mit einer Kampfabstimmung, sagt sie natürlich nicht. Nehme ich aber einfach mal so an.
Aber sie hat ja Recht mit dem Reden statt Schießen. Und sie hat auch Recht, wenn sie die SPD für „gut beraten“ hält, „im Umgang miteinander ein Bild zu bieten, das die Leute nicht verunsichert“. Ich frage erst gar nicht, wen genau sie damit meint, wer genau denn nun schlechte Umgangsformen an den Tag gelegt hat. Dass ich in diesem Punkt jetzt etwas verunsichert bin – Schwamm drüber!
Wichtig ist: keine Verunsicherung. Menschen wollen Sicherheit. Deshalb: klar Position Vertreten! So wie Petra Weis, auch wenn es nicht populär ist, keine Chance dem Populismus! Sicherheit Ausstrahlen, klar Ansagen, zum Beispiel: eine doppelte Diäten-Erhöhung muss sein!
Das bringt nicht sofort Szenenapplaus, bietet aber ein Bild von der SPD, das die Leute nicht verunsichert. Die wollen nämlich wissen, wo sie dran sind.

Werner Jurga, 04.08.2008
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